Projektarbeiten 1999-heute

„Man unternehme das Leichte,
als wäre es schwer,
und das Schwere, als wäre es leicht:
Jenes, damit das Selbstvertrauen
uns nicht sorglos,
dieses, damit die Zaghaftigkeit
uns nicht mutlos mache.“

Gracian

1999

Titelseite Goethe-Stammtisch-Heft

Gründung des „Goethe-Stammtisches“ in Dorsten: Schon 1984 fand ich die Bestätigung eines Gerüchts, dass Johann Wolfgang von Goethe im Dezember 1792 in Dorsten Aufenthalt nahm, als er von Düsseldorf nach Münster reiste. Das staatliche Literatur-Archiv in Weimar schickte mir auf Anfrage 1984 Kopien aus dem Haushaltsbuch Goethes. Darin stand, dass Goethe tatsächlich am Dorstener Marktplatz saß und roten Wein trank, als er auf die Abfertigung seiner Kutsche zum Passieren der Lippebrücke warten musste. Ich veröffentlichte diese Geschichte in verschiedenen Zeitungen. Das begeisterte den damaligen und zwischenzeitlich verstorbenen Stadtdirektor und späteren Bürgermeister derart, dass er erstens dort wieder einen Brunnen errichtete, wo Goethe „an einem Pütz“ saß, und zweitens nach seiner Pensionierung 1999 dem von mir initiierten „Goethe-Stammtisch“ beitrat und dafür sorgte, dass das Vorhaben, am Marktplatz eine bronzene „Goethe-Tafel“ anzubringen, von der Stadtverwaltung genehmigt wurde. Die Tafel konnte Anfang 2000 am Marktbrunnen angebracht werden, was nicht alle aus Stadtrat und Heimatverein begeisterte.

Balladenabend des Goethe-Stammtisches

Bis 2004 organisierte ich für den Goethe-Stammtisch mit etlichen Freunden aus dem Freundeskreis Dorsten-Hod Hasharon Lesungen von klassischer Literatur und Musikliteratur (u. a. mit Günter Vonhoff, Ute Frenzel) im Heimatmuseum (Altes Rathaus) am Markt. Diese Veranstaltungen waren stets gut besucht. Sie schlossen offensichtliche eine Lücke im Kulturbetrieb der Stadt. Die Stadt Dorsten hat dem ein Ende bereitet, indem sie das Haus als Museum auflöste und es dem eigens für ähnliche Veranstaltungen gegründeten „Trägervereins Alten Rathaus“ übergab.

2005

Verleihung des AWARD of CHANGE durch die „Abc-Gesellschaft für die Förderung des Schreiben- und Lesenlernens in der 3. Welt“. Ich begleitete die Abc-Gesellschaft journalistisch seit 1982. Die Gesellschaft baute in Nepal und in Ländern Südamerikas Schulen und Kindergärten. Besondere Verdienste hatten sich die Gesellschaft und ihr Präsident Franz-Josef Kuhn (Essen) durch den Bau eines Gymnasiums für Indianer in Ecuador und einer Indianer-Universität in Saraguro erworben. In der Verleihungsurkunde des AWARD of CHANGE heißt es:

„Herr Wolfgang Stegemann hat als Journalist seit vielen Jahren die Ziele und Projekte …. gefördert und geholfen, einen wichtigen Beitrag im Bereich der Bildung und Erziehung zu leisten. Über seinen Beruf hinaus hat er uneigennützig viel Bedeutendes angestoßen oder in Gang gesetzt … Dieser Preis ist eine Auszeichnung für Einzelpersonen. Die Veränderung bestehender Strukturen und gesellschaftlicher Verhältnisse bewirken. Der AWARD steht für den Mut, eingefahrene Mechanismen und Regeln zu überdenken und dahingehend neu zu gestalten, dass ein Leben in Frieden, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit… möglich wird.“

2006

Turm des Stiftungsgebäudes der Saalecker Werkstätten in Saaleck

Berufung in den Wissenschaftsbeirat der Stiftung „Saalecker Werkstätten“ in Bad Kösen (Sachsen-Anhalt) durch den Vorstandsvorsitzenden. Nach dessen Ausscheiden beauftragte mich das Amtsgericht Stendal 2008 mit der Neuaufstellung der Stiftung. Im Dezember konnte ein neues Kuratorium aus Historikern, Architekten, Architektur-Historikern u. a. gebildet werden: Dr. Christiane Wolf (Weimar, Vorsitz), Dr. Siegfried Wagner (Naumburg, 2. Vorsitz), Dr. Norbert Borrmann (Brunen), Margit Camille-Reichardt (Moritzburg), Tatjana Herkner (Eichwalde), Jürgen Padberg (Hamburg), Dr. Contessa Roberts (Frankfurt am Main) und Prof. Dr. Hermann Wirth (Weimar); das Kuratorium wählte Dr. Voigt (Frankfurt am Main) und mich in den Stiftungsvorstand, in einer späteren Ergänzungswahl Dr. Contessa Robert und Rechtsanwalt Vahlhaus (Halle/Saale).

Vornehmlich ist es die Aufgabe der Stiftung, das Leben und Wirken des im hohen Alter in den Nationalsozialismus verstrickten Architekten und Reformers Paul Schultze-Naumburg (1869 bis 1849) zu erforschen und darüber ausgewogen zu publizieren sowie sein großes ehemaliges Anwesen in Saaleck vor dem Verfall zu retten und einer neue kulturbezogenen Nutzung zuzuführen.

2007

Holsterhausen unterm Hakenkreuz

Im Ökumenischen Geschichtskreis Holsterhausen an der Lippe (heute Ortsteil von Dorsten) betreue ich redaktionell die Jahrespublikationen „Holsterhausener Geschichten“ sowie als Autor und Redakteur spezielle Ausgaben:
„Holsterhausen unterm Hakenkreuz“, Band 1 (2008) und Band 2 (2009), „Holsterhausen im Umbruch. Kaisers Krieg und Weimars Not. 1900-1933“.

Enthüllung des Kramm-Gedenktafel am Waldfriedhof in Holsterhausen; W. Biermann, W. Stegemann, BM L. Lütkenhorst

Die Recherchen führten dazu, dass 2008 der Geschichtskreis am städtischen Friedhof in Holsterhausen eine Ehrentafel anbringen konnte, die an die Hinrichtung Artur Kramms erinnert, der wegen Kriegdienstverweigerung als Zeuge Jehovas 1943 hingerichtet worden war.

2008

Ein Haus der Rothenburger Judengasse

Mitarbeit im „Arbeitskreis Jüdisches Rothenburg“ mit dem Ziel, in Rothenburg ob der Tauber ein kleines jüdisches Museum (möglichst in authentischen Häusern der Judengasse) einzurichten, das u. a. über die wechselvolle und überregional wichtige mittelalterliche Geschichte der Juden in Rothenburg bis zu ihrer endgültigen Vertreibung 1938 informiert. Besonders soll auf den berühmten jüdischen Rechtsgelehrten Rabbi Meir Ben Baruch hingewiesen werden, der im 13. Jahrhundert in Rothenburg wirkte und in Worms begraben ist.

2009

Berufung in die Jury des Autorenverbandes Franken, der in diesem Jahr erstmalig den Schaeff-Scheefen-Literaturpreis zum Thema „Höhenflüge und Abgründe – Erzählungen aus Franken“ vergibt. Die Vergabe ist verbunden mit der Herausgabe einer Anthologie. Der Schriftsteller und Historiker Georg Harro Schaeff-Scheefen (1903-1987) war Gründer des Autorenverbandes.

2009

Enthüllung der Gedenktafel

Nach Abschluss meiner Recherchen über die Bombardierung eines Soldatenzuges im März 1945 in Dorsten-Holsterhausen, bei der über 70 meist jugendliche Soldaten ums Leben kamen, und Herausgabe des 2. Bandes „Holsterhausen unterm Hakenkreuz“ enthüllte der Ökumenische Geschichtskreis im November eine Gedenktafel am ehemaligen Bahngleis. Unter Beteiligung von Angehörigen der gefallenen Soldaten aus dem ganzen Bundesgebiet, von Geistlichen, Vertretern des Stadtrates und des Landkreises, von Bürgern und einem Fernsehteam des WDR wurde die Tafel in einer kleinen Gedenkstunde enthüllt.

2012

Online-Zeitung DORSTEN-transparent

Zusammen mit Dr. Helmut Frenzel Mitherausgeber des unabhängigen Online-Magazins DORSTEN-transparent.
Um das Interesse der Bürger an den politischen Themen in ihrer Gemeinde zu fördern, will dieses von Parteien und Stadtverwaltung unabhängige Projekt ein Forum und Sprachrohr der Bürger sein, an dem sich jeder mit seinen Anregungen und Meinungen kritisch – zustimmend oder ablehnend, sachlich oder satirisch, Wissen vermittelnd oder kommentierend – einbringen kann.

2012

Herausgabe der Online-Version von „Dorsten unterm Hakenkreuz“, Buchveröffentlichungen der 1880er-Jahre und Zeitungsberichte, ergänzt durch aktuelle Artikel, Themen und Studien zum Nationalsozialismus und zur Nachkriegszeit in Dorsten.

2014

Veröffentlichung der Online-Dokumentation „Rothenburg unterm Hakenkreuz“ mit derzeit rund 400 Artikeln. Das Projekt wird fortgeschrieben. Mitherausgeber ist Dr. Oliver Gußmann, Träger das Bildungswerk der evangelischen Kirche in Dekanat Rothenburg ob der Tauber.

2015

Enthüllung der Ehrentafel am 7. April 2015 (Foto: Dieter Balb FA)

Nach Erforschung und Veröffentlichung des Schicksals eines Rothenburger Deserteurs stellten Dr. Oliver Gußmann und ich den Antrag bei der Stadt Rothenburg ob der Tauber, an der Mauer des Friedhofs eine Ehrentafel anbringen zu dürfen. Die Stadt genehmigte und finanzierte dies. Damit wurde Johann Rößler nach einer Zeit des langen Schweigens und Vergessens 70 Jahre nach seinem damals als schimpflich gewerteten Tod rehabilitiert. Das Bild zeigt die Tafel-Enthüllung am 7. April 2015 (Foto: Dieter Balb FA).

2015

Herausgabe des Dorsten-Lexikons mit über 2800 Einträgen. Das Projekt wird fortgeschrieben und die Eintragungen aktualisiert.

2016

Auf der Tagung „Rothenburg in Krieg und Frieden“ der Ev. Akademie Tutzing vom 24. bis 26. Juni im Wildbad zu Rothenburg ob der Tauber hielt ich den Vortrag zum Thema „Schwierigkeiten im Umgang mit der Schuld nach 1945“. – Andere Vortragsredner waren Dr. Daniel Bauer, Dr. Oliver Gußmann, Dr. Ulrike Haerendel Dr. Markus Naser, Dr. Edith Raim, Prof. Dr. Horst Rupp.

2016

Straßenschild: Obere Bahnhofstraße

Initiative zur Umbenennung einer noch 2015 nach einem hohen Nationalsozialisten benannten Straße in Rothenburg ob der Tauber. Ludwig Siebert war NS-Ministerpräsident von Bayern. 1945 entzogen die Amerikaner der Straße den Namen. 1955, als sie Amerikaner weg waren, wurde die Straße wieder nach Ludwig Siebert benannt. Erst auf Druck der Medien, darunter die Augsburger Allgemeine, die Nürnberger Nachrichten, die Passauer Neue Presse, die Frankfurter Allgemeine und der Deutschen Presseagentur wurde sie wieder in „Obere Bahnhofstraße“ umbenannt. Das Bild zeigt den Oberbürgermeister beim Anbringen des neuen Straßenschildes. Zum Thema schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ am 25. April 2015: „Die fränkische Tourismus-Stadt Rothenburg ob der Tauber ist wegen einer Straße in die Kritik geraten, die nach einem NS-Funktionär benannt wurde. Der Betreiber einer geschichtskritischen Internetseite, Wolf Stegemann, hält der Stadt vor, trotz neuer Erkenntnisse am Namen ,Ludwig-Siebert-Straße’ festzuhalten. Bei Ludwig Siebert (1874-1942; Bürger¬meister von Rothenburg 1908-1919) habe es sich um einen aktiven National¬sozialisten gehandelt. Siebert war von 1933 bis 1942 bayerischer Ministerpräsi¬dent. ,Man konnte in dieser Zeit nicht Ministerpräsident werden, wenn man nicht enger Vertrauter von Adolf Hitler war’, sagt Stegemann. Rothenburgs OB Walter Hartl (parteilos) sagte, der Stadt¬rat werde im Frühjahr über eine Umbenennung entscheiden (dpa).“

2017

Als Autor Mitarbeiter der Redaktion des „Historischen Lexikon Bayerns“, Herausgegeben von der Bayerischen Staatsbibliothek München in Zusammenarbeit mit der „Konferenz der Landeshistoriker an den Bayerischen Universitäten“.


Verweise