Reportagen

„Ein Zeitungsschreiber ist ein Mensch,
der seinen Beruf verfehlt hat.“

Bismarck zugeschrieben,
als er sich 1862 über einen Artikel im
Kreisblatt der Insel Rügen ärgerte

Nach einer längeren Dauer seines Berufslebens wird vermutlich jeder Journalistin und jedem Journalisten irgendwann die Frage gestellt, wie viele Artikel er in seinem Leben wohl geschrieben habe.

Während einer Reportage über die Nachtbar Kakadu in Gelsenkirchen 1978

Die Beantwortung dieser Frage ist aus Steggreif nicht möglich. Rechnet der normal-fleißige Redakteur dann hoch, weil ihn die Beantwortung selber interessiert, dann kann er nach 40 Berufsjahren auf die statistisch ermittelte Zahl von rund 28.000 Artikel kommen. Rechnet man die Artikel für die Zeit als junger freier Mitarbeiter während der Schul- oder Studienzeit, für Bücher, Fest- und Vereinsschriften, für mehrere andere Zeitungen noch hinzu, kann durchaus die Zahl von 30.000 erreicht werden.

W. Stegemann zusammen mit RN-Redaktionsleiter Rudolf Plümpe (l.) im Gespräch mit Stadtdirektor Dr. Zahn (Foto: Krüger)

Würde man weiter spinnen, käme man damit auf rund 3,6 Millionen Druckzeilen. Nachgezählt hat sie sicherlich keiner. Darauf möchte ich wetten. – Wenn überhaupt jemand die Zeilen zählt, dann sind es die Redaktionssekretärinnen, die den „Anstrich“ für die freien Mitarbeiter machen, die nach Umfang der Zeilen honoriert werden. Und natürlich zählen dann diese nach, ob’s stimmt.

Über das Schreiben

Mit Stadtdirektor Dr. Zahn in Auschwitz 1994

„Informationen müssen nicht nur verbreitet, sie müssen auch verarbeitet werden. Man muss sie in Zusammenhänge ordnen, sie durchleuchten, ihren Rang bestimmen. Das besorgen Journalisten. Wenn wir die Informationsdiskussion der letzten Jahre verfolgen, stoßen wir auf den bemerkenswerten Sachverhalt, als sei alle Welt sich darüber einig, dass über die Sachkunde und die Schreibpotenz dieser Leute überhaupt nicht zu reden sei. Einfach da! Selbstverständlich zugeordnete Gaben des Himmels! Analytiker und Schreiber von Gottes Gnaden!

Reportage vor Ort in Lembeck mit Raum- und Stadtplaner Egbert Bremen und dem Leiter des Stadtplanungsamtes E. Burmeister

Nun, man soll in einem Metier der Gehetzten keine Häufung von Meistern verlangen; aber der Wunsch, es möchte einer sich sorgsam ins Bild setzen, ehe er schreibt, und er möchte überdies mit hinreichender Klarheit, sauber und anschaulich zu Papier bringen, worum es ihm geht, ist kaum ein unverschämter Wunsch. Bei Jaspers – ‚Die geistige Situation der Zeit’ – ist nachzulesen:

Im Schutt des täglich Gedruckten den Edelsteinen einer zur wunderbarsten Kürze geschliffenen Einsicht in die vollendete Sprache schlichten Berichtes zu begegnen, ist eine hohe, wenn auch nicht häufige Befriedigung des modernen Menschen.
Doch reden wir nicht von Edelsteinen; reden wir davon, dass es so viel Kies gibt. Man sollte bei der Presse nicht nur nach den Konzentrationen sondern auch und gerade nach der Qualität fragen. Heute mehr denn je!

1968

Daran dürfte sich bis heute nichts geändert haben, außer, dass mit wenigen Ausnahmen die Qualität unserer Zeitungen und Medien noch flacher, noch schlechter geworden ist und immer weiter nachlässt!

2009


Verweise